Blutsonntag zeitliche Epoche in der Geschichte Nordirlands und deren Folgen
Blutsonntag Nordirlands
Wandgemälde nach einem historischen Foto, auf dem der damalige Pfarrer
Edward Daly mit einem blutdurchtränkten Taschentuch als "weiße Fahne" voran
geht, um einen Schwerverletzten zu bergen, der kurz darauf stirbt. Das Bild
ging damals um die Welt. (Bild Quelle: Wikipedia)
Als Blutsonntag beziehungsweise „Bloody Sunday“ werden
zwei Ereignisse in der Geschichte Irlands bezeichnet.
Zum
einen der Blutsonntag am 21. November 1920 (Anglo-Irischer Krieg), an dem mehrere
Gewalttaten zahlreiche Todesopfer und etliche Verletzte forderten. Am Morgen wurden
mehrere britische Agenten („Kairo Gang“) durch die Einheit „Squad“ getötet. Die
Rache der britischen Einheit Auxiliaries folgte am Nachmittag im Croke Stadion in
Dublin.
Zuschauer und Spieler der Footballveranstaltung wurden verletzt
und getötet. Am späten Tag wurden zudem zwei Offiziere der Irish Republican Army und
ein ziviler Freund der beiden verhaftet und während eines bewaffneten
Fluchtversuches getötet.
Zum Zweiten wird der 30. Januar 1972 als
Blutsonntag bezeichnet. An diesem Tag fand in Londonderry (Derry) eine Demonstration
gegen die Regierungspolitik (Internierungen) und für die Rechte der Bürger statt.
Das britische Militär erschoss 14 Personen, 15 Menschen wurden verletzt. Laut
Aussage der britischen Armee kamen die ersten Schüsse aus der Demonstrantenmenge,
die Soldaten erwiderten das Feuer. Diese Erklärung widerspricht jedoch den Aussagen
der teilnehmenden Überlebenden, zahlreiche Opfer waren (laut Zeugenaussagen und
Beweisfotos) unbewaffnet und versuchten vor den zielenden und schießenden Soldaten
zu fliehen. Zudem wurde kein Soldat verletzt, etliche Demonstranten wurden hingegen
hinterrücks angeschossen.
Lange Zeit kursierte die Aussage, dass Martin
McGuiness, früheres Mitglied der Irish Republican Army und derzeitiger Politiker der
Sinn Féin, den ersten Schuss abgefeuert habe. Martin McGuinness bestreitet jedoch
bis heute diese Behauptung. Die beteiligten Soldaten wurden durch die erste
Untersuchung des Massakers entlastet, wobei die Neutralität der
Untersuchungskommission bis heute angezweifelt wird. Der frühere Premierminister
Tony Blair kündigte im Januar 1998 eine erneute Untersuchung des Bloody Sunday´s an,
wobei diese derzeit noch nicht abgeschlossen ist.
Nach dem Blutsonntag
treten Tausende der Irish Republican Army bei, die Organisation rächt sich für den
Bloody Sunday und verübt mehrere Anschläge. Heute erinnern Mahnmäler an die
Todesopfer des Bloody Sunday, unter anderem ein Mural (Wandgemälde), das einem
historischen Foto, welches damals um die Welt ging, nachempfunden ist. Das blutige
Ereignis wurde im Jahr 2002 halbdokumentarisch unter dem Titel „Bloody Sunday“
verfilmt (Paul Greengrass), das Filmdrama wurde noch im selben Jahr mit dem Goldenen
Bären ausgezeichnet. Die Augenzeugin Margo Harkin veröffentlichte 2006 die
Dokumentation „Blutiger Sonntag“. Etliche Künstler verarbeiteten den 30. Januar 1972
in ihren Liedern, so unter anderem die irische Rockgruppe U2 („Sunday Bloody
Sunday“), Paul McCartney („Give Ireland back to the Irish“) und John Lennon („The
Luck of the Irish“).